Schon der Titel des Buches ist "typisch" für Ilse Aichinger, meint Michael Braun, denn es handelt sich bei den Reisetexten nicht um "konventionelle Reisen", sondern um "imaginäre" Bewegungen zu den Orten der Kindheit. Hier finden sich die "traumatischen Urszenen", die das gesamte Leben und Werk der Autorin determinieren und aus diesen "Daseinssplittern" webt sie ihre bruchstückhafte "Geografie der eigenen Existenz", erklärt der Rezensent. So kehrt Aichinger in diesen Miniaturen beispielsweise zum letzten Wohnort der Großmutter zurück, bevor diese nach Minsk deportiert wurde, oder sie erinnert sich an den Garten einer Nervenheilanstalt, in den sie von einem schizophrenen Kindermädchen "verschleppt" worden war. Aichinger hat diese Prosatexte, die innerhalb dreier Jahre für eine Wiener Zeitung entstanden sind, auf Speisekarten, Vorsatzblätter und Rückseiten von Kreuzworträtsels notiert, die der Band als Faksimile abdruckt. Allerdings sei der "Beiläufigkeit", mit der die Texte daher kommen, keinesfalls zu trauen, betont der Rezensent. Auch wenn sich die Texte auf diese Weise als "unfertige Notate" geben würden, erwiesen sie sich als "düster funkelnde Skizzen", die es durch ihre "karge Präzision" mit den gelungensten Stücken aus Aichingers Schaffen aufnehmen könnten.