Ein wilder Ritt von Nirgendwo nach Nirgendwo, in dem dennoch die ganze Gewaltgeschichte der europäischen Nachkriegsdekaden steckt: so ungefähr beschreibt Rezensentin Doris Akrap Clemens Meyers neuen Roman. In dessen Zentrum diesmal, beschreibt Akrap, nicht die DDR, sondern Jugoslawien steht. Hauptfigur ist, heißt es weiter, ein Mann, der zumeist nur Cowboy genannt wird, der mit Titos Partisanen gegen die Nazis kämpfte, später Darsteller in deutschen Indianerfilmen wird und noch später als Groschenromanschreiber im Ruhrpott lebt. Aber es passiert noch viel mehr, zählt Akrap auf: eine Art proto-NSU marodiert in Kroatien, Ärzte sprechen in Leipzig oder im Jemen über Patienten und verheddern sich in ihrer eigenen Rationalität, eine blonde Frau wird zu Cowboys Love Interest, endet aber womöglich als Wasserleiche und so weiter. Man kann sich in diesem sprachlich vielseitigen Roman heillos verlaufen, gesteht Akrap ein, Anfänge und Enden sind hier praktisch nie in Sicht, alles hängt mit allem zusammen, aber wenn man sich dem Erzählfluss hingibt, wird die Lektüre gleichwohl zu einer außerordentlich reichhaltigen Erfahrung. Meyer versucht hier, beschreibt die Rezensentin, den politischen Irrungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Sinn abzuringen und stößt dabei doch nie auf Gewissheiten, sondern lediglich auf Filmrisse, Verunsicherungen und Erinnerungen, denen nicht zu trauen ist. Insgesamt eine Herausforderung, die anzunehmen sich unbedingt lohnt, so das Fazit.