In einer sehr instruktiven Kritik lässt Michael Borgolte zunächst den Mythos des „ius primae noctis“ Revue passieren. Ob tatsächlich Herren in Europa ein „Recht“ auf die erste Nacht mit Angetrauten der Untertanen je gehabt haben, ist danach aber sehr fragwürdig, obwohl einige Quellen darauf zu verweisen scheinen. Tatsächlich gehört dieser Mythos, so Borgolte, wohl zu den „Stereotypen der Fehlwahrnehmung des Mittelalters“, die besonders von den französischen Aufklärern zum Argument gegen den Feudalismus gemacht wurden. Wettlaufers Buch stellt nach Borgolte „höchste Ansprüche“, denen es aber nicht gerecht werde. Es stört den Rezensenten, dass Wettlaufer die Ursprünge des Mythos aufspüren wolle, ein Bemühen, das an sich schon anachronistisch sei. Anregend findet Borgolte aber, dass Wettlaufer auch die Soziobiologie und Humanethologie zur Aufklärung des Themas heranzieht. Großen Mut beweise Wettlaufer mit der These über eine „anthropologische Konstante“, nach der sich auch im monogamen Europa die Macht der „Alphamännchen“ mit Polygamie zu koppeln scheine.