Rezensentin Helena Schäfer liest mit dem neuen Kinder- und Jugendbuch von Sasa Stanisic nicht nur eine gelungene Verhandlung des schwierigen Themas "Mobbing", sondern auch eine Reflexion auf das Erzählen selbst. Kemi, Hauptfigur und Erzähler der Geschichte, lehnt das Feriencamp, in das ihn seine Mutter geschickt hat, erstmal auf ganzer Linie ab, wie die Kritikerin berichtet. Aber er macht sich viele Gedanken, vor allem über seinen Zimmernachbarn Jörg, der von den anderen Kindern gehänselt wird. Kemi erkennt, dass auch er selbst "anders" ist, eben nicht in ein bestimmtes Schema hineinpasst, lesen wir. Stanisic gelingt es, die Mechanismen gesellschaftlicher Ausschließung zu beschreiben, ohne Komplexität zu reduzieren, meint Schäfer anerkennend, eine perfekte "Gratwanderung zwischen Realismus und Ermutigung". Ergänzt wird der Text durch die berührenden Illustrationen Regina Kehns, die eine wichtige Botschaft der Geschichte verdeutlichen: die Realität ist nicht völlig objektiv, sondern hängt auch davon ab, wie und vom wem sie erzählt wird.