Rezensent Tobias Haberl ist vollends begeistert von diesem geheimnisvoll-alltäglichen Liebesroman. Er erzählt von der aufblühenden Affäre zwischen dem seit zwölf Jahren verheirateten Georg, einem Vertreter für medizinische Geräte, und der alleinstehenden Deutsch- und Musiklehrerin Frieda, die sich eines Morgens zufällig an einer Straßenbahnhaltestelle begegnen. Auch wenn viel Zeit bis zum nächsten Wiedersehen vergeht, bleibt die Sehnsucht so stark, dass beide beschließen, sich vier Mal im Jahr zu sehen, immer dann, wenn Georg dienstlich verreisen muss, fasst Haberl zusammen. Die Eleganz dieser klischeebefreiten und ruhigen Sprache erinnert den Kritiker zuweilen an die Texte des bundesrepublikanischen Sehnsuchts-Seismographen Wilhelm Genazino. In diskreten Andeutungen wechselt die Perspektive, neben eingeschobenen Kindheitsepisoden, zwischen Georg und Frieda und findet dabei fein beobachtete Szenen sowohl für Georgs eingeschlafenes Eheleben als auch für Friedas einsame Routinen, freut sich Haberl. Er sieht hierin einen stillen Text über die "Erscheinungsformen der Liebe", dessen Ende ihn bewegt zurücklässt.