Kommt ein Jugendroman ohne "Handlung, Spannung, Witz" und charakterliche Entwicklung aus? Und wie, findet Rezensentin Marie-Luise Goldmann. So reihe Ilona Hartmann eher etliche Aphorismen aneinander, die weder von einem spannenden Leben noch von einer rebellischen Jugend nach dem Abitur und dem Auszug aus dem Elternhaus zeugen: "Kneipenjahre: Gab's nicht". Der Roman stelle generell die Frage, ob die Protagonistin und damit die gesamte junge Generation überhaupt etwas will oder ob sie sich, wie die Ich-Erzählerin, einfach auf unspektakuläre Weise, ohne Drogen und Partys, treiben lässt, schreibt die Kritikerin. Wie soll man mit einem Leben umgehen, dass die eigenen Erwartungen permanent unterläuft, fragt der Roman laut Goldmann. Sie ist positiv irritiert von dieser "Poetik des Nicht-Genug" und findet Hartmanns Aphorismen auch sprachlich durchaus reizvoll. Der "sturste Entwicklungsroman aller Zeiten", schließt die Kritikerin.