Als ambitioniert und unterhaltsam beschreibt Rezensent Tobias Döring, was Andrew O'Hagan hier abliefert, komplett überzeugen kann das Buch ihn nicht. O'Hagan entwirft, lernen wir, ein panoramatisches literarisches Gesellschaftsbild im Stil des 19. Jahrhunderts, Charles Dickens, Anthony Trollope und andere stehen Pate. Erzählt wird vom kriselnden Großbritannien des Jahres 2021, einem Land gebeutelt von Brexit, Covid und einigem mehr. Ein umfangreiches Personenverzeichnis stellt, so Döring, das Personal vor, von Politikern über Journalisten bis hin zu Aktivisten und Rappern ist alles dabei, und die diversen Plots decken dann ebenfalls ein breites Feld ab, Menschenhandel kommt ebenso vor wie Eliteklüngeleien mit russischen Oligarchen; oder auch, als zentrales Plotelement, die Geschichte eines Kunsthistorikers, der auf der Suche nach neuen Ideen einen Bürgerkriegsflüchtling aus Äthiopien unter seine Fittiche nimmt. Das teilweise im journalistischen Stil geschriebene Buch liest sich flüssig weg, aber obwohl der Rezensent sich gut unterhalten fühlt, hat er doch den Eindruck, dass die einzelnen Geschichten oft allzu abrupt enden. Insgesamt ist Döring sich nicht sicher, ob die Art von Dickens'schem Gesellschaftsroman, auf die O'Hagan abzielt, unserer Zeit noch angemessen ist. Die Übersetzer Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié allerdings leisten hervorragende Arbeit, heißt es abschließend.