Insgesamt lehrreich ist, was Sebastian Conrad über die berühmte Berliner Nofretete-Büste herausgefunden hat, meint Rezensent Ulf von Rauchhaupt, der freilich auch ein paar Einwände hat. So findet sich, kritisiert er, in der Studie eher wenig zum historischen Vorbild des "einäugigen" Kunstwerks, obwohl durchaus aktuelle Erkenntnisse vorliegen über die Königin der ägyptischen Amarna-Epoche. Auch ist der Historiker für Rauchhaupts Geschmack zu parteiisch, wenn es um eine mögliche Rückgabe der Nofretete nach Ägypten geht, Conrad findet derartige Ansprüche berechtigt, der Rezensent mahnt mehr Wissenschaftlichkeit an. Gern liest er jedoch Passagen, die sich der Nofretete-Rezeption in verschiedenen Kontexten widmen und aufzeigen, wie das Kunstwerk von ganz unterschiedlichen, oft nicht miteinander kompatiblen Seiten angeeignet wurde, so etwa vom ägyptischen Nationalismus, vom modernen, kosmopolitischen Berlin und und als Symbol eines afroamerikanischen Selbstbewusstseins. Gerechtigkeit wird der Nofretete so oder so nicht widerfahren, glaubt der Rezensent nach der Lektüre, was mit ihr auch immer geschehen wird, ist einfach nur Ausdruck der Weltgeschichte.