Ein Buch, das sich in bloßer, bildungsseeliger Aufzählung verliert, ist Teju Coles neuer Roman für Rezensent Martin R. Dean. Hauptfigur ist Tunde, ein in Nigeria aufgewachsener Mann, der an einer amerikanischen Uni Fotografie unterrichtet. Der Text durchquert, erläutert Dean, diverse Wissensfelder, die oft mit Kolonialismus und ethnischer Gewalt zu tun haben, nicht selten geht es aber auch um weiße Kultur von Bach bis Shakespeare. Äußerst sprunghaft ist diese Prosa, erfahren wir, gerade geht es noch um Provenienzforschung, im nächsten Moment schon um Weltmusik, oder um Laura Bush. Zu kurz kommt dabei unter anderem Tundes Privatleben, findet Dean, nur sehr selten gelingt es Cole, eine sinnvolle Verbindung zu schaffen zwischen seiner Figur und den kulturellen Beständen, zwischen denen er sich bewegt. Dass dieses auch von banalen Formulierungen keineswegs freie Buch weithin gefeiert und Cole mit W.G. Sebald verglichen wird, kann sich der Rezensent nur damit erklären, dass sich seine Kollegen für ihren eigenen beschränkten kulturellen Horizont schämen.