Sowas gibt es - ein Buch über Jürgen Habermas, das sich flott lesen lässt? Gibt es, ruft Rezensent Jens-Christian Rabe und verteidigt diese Leichtigkeit mit Verve und Überzeugungskraft gegen bereits erhobene Vorwürfe der Oberflächlichkeit. Autor Philipp Felsch ist Kulturwissenschaftler, er hat die trockenen Wälzer Habermas' durchaus gelesen, aber er ist - und dafür schätzt ihn Rabe - auch ehrlich genug, sie bis heute und trotz angestrengter Verdauungsarbeit "entmutigend unzugänglich" zu finden. Also porträtiert er Habermas, der ja auch dem Publikum vor allem für seine publizistischen Interventionen und teils grandiosen Begriffsprägungen ("Verfassungspatriotismus", "herrschaftsfreier Diskurs", "zwangloser Zwang des besseren Arguments") berühmt ist, im Stil amerikanischer Magazine, schildert die Atmosphäre in Habermas' Bungalow am Starnberger See und hat auch einen Blick übrig für die blitzenden Reeboks an den Füßen des agilen Greises. Es ist also ein erstaunlicher Widerspruch, den Rabe hier mit Felsch festhält: Einerseits hat Habermas als Gelehrter durch ungeheure Lese- und Paraphrasierwut sozusagen die ganze Philosophie durch seine Person recycelt, auch irgendwie um den Ballast der Geschichte abzuwerfen, und das so Verarbeitete neu dastehen zu lassen. Andererseits war er immer auch ein "Mann der Stunde". Nur jetzt nicht mehr. Fast mitleidig erzählt Rabe nach, wie Felsch Habermas' Verzweiflung angesichts der schlechten Resonanz auf seine Ukraine-Interventionen schildert. Noch nie sei er so missverstanden worden, klage Habermas in Felschs Buch. Wie könne man sich nicht nach einem Waffenstillstand und einer Verhandlungslösung sehnen. Und da fragt man sich, was genau der große Mann aus der Geschichte gelernt hat.