Andreas Reckwitz hat laut Alexander Cammann das wichtigste Sachbuch geschrieben, das diesen Herbst erscheint. Es beschäftigt sich, erstmals derart systematisch in der Soziologe, mit dem Verlust. Ausgangspunkt sind akkumulierende Verlusterfahrungen die Umwelt, die Überalterung oder auch die Coronatoten betreffend. Reckwitz arbeitet sich laut Cammann durch eine Geschichte und auch eine Kulturgeschichte des Verlusts, es geht unter anderem um den Übergang zur Moderne als eine Zeit, der Reckwitz eine "Verlustparadoxie" unterstellt, da Fortschritt auch immer mehr Verluste produziert, wie sich etwa im Umgang mit dem Tod zeigt. Leicht lesbar ist das nicht immer, aber manchmal fühlt Cammann sich doch getröstet von diesem Buch, und sei es nur, weil die Probleme so klar dargelegt werden. Ein Pessimist ist Reckwitz nicht, stellt Cammann klar, der Autor plädiere dafür, dass die Moderne den jugendlichen Überschwang ablegt, erwachsen wird und damit beginnt, die eigenen Zukunftserwartungen zu justieren. Beeindruckend, wie die Verlusterzählung dergestalt zu einem Fortschrittsnarrativ umgebaut wird, findet Cammann abschließend.