Die Grunddiagnose, die die Literaturwissenschaftlerin Carolin Amlinger und der Soziologe Oliver Nachtwey in ihrem vielbeachteten Buch stellen, ist interessant, findet der hier rezensierende Philosoph Hanno Sauer, der allerdings der Meinung ist, dass viele hier ausgebreiteten Argumente bei näherem Hinsehen in sich zusammenfallen. Die Grunddiagnose, die Sauer gefällt, geht von einer um sich greifenden Zerstörungslust aus, die von den Autoren in drei Tendenzen aufgeteilt wird: eine, die Erneuerung predigt, eine, die sich Zerstörung wünscht, und eine, die libertär-autoritär drauf ist. So weit so gut, meint der Philosoph Sauer, aber woher kommt diese Zerstörungsgeilheit konkret? Amlinger und Nachtwey bieten hier zwar viele Einzelansätze an, die sich für Sauer aber nie zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammensetzen. Er hat zum Beispiel nicht den Eindruck, dass es um die Infrastruktur in Deutschland allzu schlecht bestellt ist, auch dass der Klimawandel den Wohlstand bedroht, glaubt er nicht und dem von den Autoren abgelehnten Neoliberalismus schreibt er einige Vorzüge zu. Was ihm wohl am meisten missfällt ist, dass ihm bei der Lektüre nie ganz klar wird, inwieweit Amlinger und Nachtwey über eine reale und inwieweit über eine bloß gefühlte Krise schreiben. Lesen sollte man das Buch trotzdem, schließt der insgesamt freilich wenig überzeugte Rezensent, schließlich ist die um sich greifende Zerstörungswut schon ein relevantes Phänomen.