Mit Ralf "Rothmanns kleiner Klischee-Fabrik", seinem neuen Erzählungsband, kann Rezensent Tobias Lehmkuhl gar nichts anfangen: Schon von Beginn an irritiert ihn, wie Rothmann etwa über einen alternden Geschäftsmann schreibt, dem Geld und schöner Schein überlebenswichtig sind, und der eine albanische Pflegerin (und später Geliebte) einstellt, deren Söhne ihn ausrauben, dafür werden alle möglichen Balkan-Stereotype auf den Tisch gelegt. Fürchtet der Rezensent zunächst, den Autor möglicherweise nicht verstanden zu haben, kommt er recht bald zu der Überzeugung, dass sich auch die anderen Geschichten nicht davon abgrenzen: Egal, ob es um sterbende Immobilienmakler oder krebskranke Kinder geht, die da in "literarischer Leichtbauweise" zum Thema werden. Besonders ärgerlich findet Lehmkuhl das bezüglich einer Erzählung, in der die Geschichte eines KZ-Vorstehers mit der des Holocaust-Opfers Etty Hillesum verknüpft und verkitscht wird, wie er schließt.