Peter Sloterdijk, der "Schriftsteller unter den Philosophen", hat seine Vorlesungen am Collège de France aus dem Frühjahr in Buchform gebracht und Kritiker Guido Kalberer liest seine Gedanken zum momentanen, nicht allzu erfreulichen, Zustand Europas mit großem Gewinn. So geht Sloterdijk etwa der Idee nach, dass Europa kontinuierlich versucht hat, das Römische Reich in seiner Größe und Macht nachzuahmen, vergeblich und mit schwierigen Folgen - heute habe sich Europa "in die Niemandsposition zurückgezogen." Der Autor gemahnt aber auch an die Errungenschaften des Kontinents, wie zum Beispiel die Religionsfreiheit, und warnt gleichzeitig davor, die daraus gewachsene Bekenntnisbereitschaft in eine ausufernde Selbstkritik zu verwandeln, die Europa weiter marginalisiert, so Kalberer. Zuletzt betont der überzeugte Rezensent, wie wichtig es Sloterdijk ist, nicht einem "Zivilisationsverrat" anheimzufallen, der in der Aufkündigung der Menschenrechte besonders seitens Chinas resultieren könnte.