Weitgehend interessiert bespricht Rezensent Peter Neumann Eva Illouz' neues Buch. Die Soziologin setzt sich darin mit der gesellschaftlichen Gemachtheit von Gefühlen auseinander, die als kulturelle Codes beschrieben werden, in denen sich biologische, psychologische und soziologische Impulse vereinigen. Illouz spürt dabei den politischen Voraussetzungen von Emotionen wie etwa Hoffnung nach, und beschreibt die explosive der Moderne als eine bereits mit der Renaissance einsetzende Epoche, in der eben diese Instrumentalisierung von Gefühlen zur Blüte gebracht wird, so Neumann. Sie gehe dafür auf eine Vielzahl von historischen Beispielen ein, auf die amerikanische Bürgerkriegsbewegung ebenso wie auf den israelisch-palästinensischen Konflikt, und baue in ihre Argumentation zudem zahlreiche literarische Verweise ein. Letzteres gefällt dem Rezensenten gut, insgesamt hält er Illouz' Text aber hier und da für zu überfrachtet, manchmal bringt die Autorin Dinge zusammen, die vielleicht doch nicht zusammenpassen, denkt er sich, wie etwa Gregor Samsa und Ostdeutschland. Außerdem hat sie wenig anzubieten, wenn es darum geht, wie wir aus der emotionalen Überhitzung aussteigen könnten, moniert Neumann. Der Rückzug in die Innerlichkeit, der an einer Stelle von Illouz als Perspektive angeboten wird, kann kaum des Rätsels Lösung sein, meint der Kritiker, der der Lektüre freilich insgesamt durchaus einiges abgewinnen kann.