Was Karin Ceballos Betancur einem unbedeutenderen Autor als Debütroman vielleicht gerade noch hätte durchgehen lassen, kann sie dem von ihr verehrten Mario Vargas Llosa kaum verzeihen. Sie ist geradezu erschüttert von dem geballten Kitsch und der machohaften Haltung, die aus diesem Roman spricht. Die Geschichte - es geht um den peruanischen Ricardo, der den geheimnisvollen Reizen des "bösen Mädchens" verfällt, die ihn aber bei ihren wiederkehrenden Begegnungen an verschiedensten Orten der Welt stets grausam zurückstößt - findet die entsetzte Rezensentin ziemlich platt. Redundant die Geschehnisse, süßlich die Dialoge und insbesondere die Figurenzeichnung des bösen Mädchens allzu offensichtlich dem Lolita-Charme verpflichtet: die Rezensentin stöhnt laut auf. Am überzeugendsten findet sie noch diejenigen Nebenfiguren, die der historischen Realität entnommen wurden. Ach, hätte Llosa seine Geschichte einer unmöglichen Liebe doch zum Ausgangspunkt für ein Charakterbild des ausgehenden 20. Jahrhunderts gewählt, dann wäre die Flachheit der Figuren auch nicht derart ins Gewicht gefallen, seufzt Karin Ceballos Betancur. Durch das Erzähltalent des Autors zwar unterhaltend gestaltet, aber nicht erinnerungswert, lautet das enttäuschte Fazit der Rezensentin.