Existenziell berührt zeigt sich Rezensent Christian Geyer von George Steiners Buch über das Denken, auf das er eine begeisterte, nicht enden wollende Lobeshymne anstimmt. Ein Buch, so verspricht er, das den Leser unweigerlich in den Bann ziehen, quälen, verzaubern, erschüttern, verändern wird. Selten hat Geyer auf so knappen Raum so tief Gedachtes, so Substanzielles über das Thema Menschsein und seine Freiheit gelesen. Denn darum geht es Steiner seines Erachtens: die unheimliche und mitunter beklemmende Freiheit des Denkens, die unsere Kultur der Freiheit erst eigentlich begründet, und den radikalen Gegensatz zu jeder Art von Fundamentalismus darstellt. Die Reflexionen Steiners vergegenwärtigen für Geyer besonders eindringlich die Bedeutung und Wichtigkeit von Konzentration in einer Kultur, die von Ablenkung, Zerstreuung und Ungeduld geprägt ist. Auch vor der literarischen Qualität dieses Essays, den er als "leichthin und dicht", "wuchtig und zart", "bezwingend poetisch und im tiefsten philosophisch" beschreibt, kann sich Geyer nur verneigen und wird darüber selbst poetisch, etwa wenn er die Wirkung des Buchs beschreibt, das uns zwinge, "den Blitz mit bloßen Händen zu fangen". Mit diesem kleinen Alterwerk ist Steiner seines Ansicht nach schlicht etwas "Einmaliges" gelungen.