Vargas Llosa ist einfach ein glänzender Autor, gesteht Andreas Breitenstein, dem es ohne weiteres gelungen sei, die gewaltige Materialfülle zweier beeindruckender Lebensentwürfe zu bändigen und darüber hinaus ein stimmiges und überzeugendes Epochengemälde zu entwerfen. Flora Tristan, Vorkämpferin für die Emanzipation der Frauen und Arbeiter, war die Großmutter von Paul Gauguin, auch wenn sie sich in Wirklichkeit nie kennengelernt haben, weiß Breitenstein. Llosa setzt beider Leben gegeneinander: das der Rebellin Tristan, die sich gegen einen gewalttätigen Ehemann wehren und im Kampf für ihre eigenen Rechte wie die der anderen auf privates Glück verzichten musste, stets aber einer Utopie folgend; und das des resignierten Zivilisationsflüchtlings Gauguin, der in der Südsee als Fremdling unter den Kolonialisten wie unter den Einheimischen die eigenen Vorstellungen zu verwirklichen suchte, um den Preis großer Isolation. Bei Gauguin macht Breitenstein denn auch die Schwachstelle des Romans aus. Llosa könne seine Sympathie für seine Protagonisten nicht verhehlen, wogegen eigentlich nichts einzuwenden sei, meint der Rezensent, allerdings erlaube die Monoperspektivik des Romans keine ideologiekritischen Fragen. Und da fallen dem kritischen Rezensenten gleich einige ein, die den scheinbar naiven Südseetraum Gaugains als geschickte Ausbeutung und Vermarktung des Mythos hinterfragen. Llosa habe sich "von der Magie seiner Figuren hinreißen lassen", schließt Breitenstein nicht ohne Wohlwollen.