Erst als er aufgegeben hat, die Gedichte des preisgekrönten und doch unbekannten Autors verstehen zu wollen, schreibt Martin Ahrends, habe er Zugang zu ihnen bekommen. Wie Nachrichten aus dem "Zwischenreich von Wachen und Träumen" seien sie erst an ihm vorübergezogen, dann mit Verspätung bei ihm eingetrudelt. Zuvorderst hat Ahrens Erinnerungen an eine DDR-Kindheit wahrgenommen, wie sie der Rezensent selbst auch erlebt hat, aber darunter, in den unteren tieferen Schichten der poetischen Gebilde sieht er einen Ton, eine innere Musik am Werk, die ihn in die magische Welt seiner Kindheit führt, Bilder, Erinnerungen, Gefühle des Nicht-Gelebten auslöst: "Evokationen". Ahrens zitiert den Autor mehrfach, wie zur Bekräftigung: "jedes gedicht/ geht auf ameisenstrassen/ durch die schallbezirke seiner glocke." Bei Ahrens ist die Glocke in Schwingung geraten - dieses eine Mal. Er möchte die Erfahrung nicht missen, sagt er, aber ob er sie wiederholen würde, wisse er nicht. Schwierige Lektüre.