Beinahe 30 Jahre ist es her, dass Joachim Fest seine aufsehenerregende Hitler-Biographie veröffentlicht hat, erinnert uns Thomas Maissen. Ein Beitrag Fests für den Sammelband "Deutsche Erinerungsorte" über den Führerbunker habe nun den Autor und ehemaligen FAZ-Herausgeber dazu animiert, seine Deutung der Geschichte noch einmal in Kurzform zu bringen, reduziert auf die Schilderung der letzten vierzehn Tage im Führerbunker, während die Russen Berlin eroberten. Maissen empfindet Fests Schlussfolgerungen aus den Ereignissen als stellenweise recht problematisch und er begründet seine Skepsis einleuchtend: für Fest sei Hitler nicht nur auf die Katastrophe zugesteuert, sondern er habe sie geradezu gewollt, referiert Maissen Fests Position. Belege dafür liefere Fest mit seiner Darstellung der letzten Tage im Führerbunker nicht, meint Maissen, im Gegenteil, er reduziere Hitlers höchst widersprüchliche Aussagen auf eine einzige. Prinzipiell ist es für Maissen methodisch heikel, von einem historischen Endpunkt her eine zwingende Logik zu behaupten. Gleichfalls problematisch sieht Maissen Fests Deutung, wonach Hitler das deutsche Volk quasi als Geisel genommen habe; damit erscheinen die Deutschen als Opfer, kritisiert der Rezensent.