In einer Doppelbesprechung widmet sich Bruno Steiger zwei jüngst erschienenen Bänden des amerikanischen Erfolgsautors Paul Auster, die er für ein Beispiel gut geplanter Selbstverwertung hält, ohne dass er damit den Wert dieser Bücher schmälern möchte.
1) Paul Auster: "Die Kunst des Hungers. Essays und Interviews"
Ausführlich widmet sich Steiger dem Essayband, dem ein programmatischer Aufsatz über Hamsuns Roman "Hunger" sowie eine Hommage an Kafka seinen Titel gegeben haben. Nach Steiger entwickelt Auster eine "Ästhetik des Hungers" und eine Theorie der Selbstausbeutung, wonach Schriftsteller gerade auch unter materiell miserabelsten Bedingungen zu produzieren verstehen. Interessant findet Steiger, dass sich Auster überwiegend europäischen Autoren widmet, die er amerikanischen Lesern zu vermitteln trachtet, weshalb er ganz pragmatisch vorgehe. Dennoch lasse der Feinschliff der Sprache Austers seine Verwurzelung in der europäischen Philosophie und Ästhetik deutlich spüren. Leider macht der Rezensent nicht deutlich, aus welchen Jahren die Aufsätze stammen. Er verweist lediglich auf die den Band abschließenden Interviews mit dem Autor, wo dieser über seine eigene literarische Produktion Auskunft erteilt und die jüngeren Datums zu sein scheinen.
2) Paul Auster: "Mein New York"
Auster erscheint Steiger, insbesondere nach Lektüre der Interviews aus "Die Kunst des Hungers", als zunehmend redundanter Autor, der eigentlich immer und mit ununterbrochener Besessenheit an dem gleichen Buch schreibe. Der Band "Mein New York" sei gleichsam das Modellbuch dafür. Es enthält längere und kürzere Textpassagen aus den Romanen Austers, die einen neuen Textfluß ergeben und die Stadt New York zur Hauptperson machen: "die Stadt selbst wird zum Roman der Fragmente" schreibt Steiger.