Vom "Zusammenhang von kollektiver Tragödie und privaten Emotionen" liest Rezensent Jobst Welge im neuen Roman des spanischen Autors Fernando Aramburu: Ausgangspunkt ist ein Unfall, bei dem in einer baskischen Schule eine Propangasflasche explodiert und vier Dutzend Menschen tötet, unter anderem Nuco, dessen Großvater Nicasio diesen Verlust kaum akzeptieren kann. Die Gefahr, dabei ins Melodramatische abzurutschen, nimmt Aramburu laut Welge zwar wahr und versucht, sie durch eingeschobene Reflexionen über den Text zu bannen, kann sie aber nicht ganz umgehen. Dass es für die Mutter des toten Kindes "eine der größten Herausforderungen" sei, mit dem Geschehenen umzugehen, sei keine raffinierte Innensicht, sondern recht banal, seufzt er. Überzeugend findet der Kritiker jedoch all die Passagen, in denen die konkreten Zwischenräume ausgelotet werden, in denen sich die Figuren bewegen, zwischen Neuanfängen, Verdrängung und Erinnerung. Auch die Übersetzung liest sich für ihn trotz einiger Schnitzer flüssig, wie er schließt.