Heinz Strunks Neufassung des Zauberbergs braucht den Abgleich mit dem großen Vorbild gar nicht, findet Rezensent Jens Jessen. Gleichwohl gleicht er in seiner Besprechung Strunks Buch ausführlich mit dem Thomas Manns ab und stellt zunächst klar, dass es dem Autor keineswegs um eine, gleichwohl angedeutete, Persiflage der Vorlage geht. Die geistesgeschichtlichen Ausführungen Manns werden bei Strunk konsequent eingeebnet, lesen wir, was dem therapeutischen Prinzip der Psychiatrie - in einer solchen, an der deutsch-polnischen Grenze, ist das Buch angesiedelt - entspricht. Die Hauptfigur Jonas Heidbrink, die in der Nervenheilanstalt gelandet ist, muss einiges über sich ergehen lassen, unter anderem die Monologe eines Alleswissers, gleichzeitig jedoch ist Heidbrink, anders als bei Mann, nicht Anschauungsobjekt, sondern jemand, mit dem man sich identifizieren kann. Überhaupt ist der Tonfall freundlicher als bei Mann, so Jessen, zudem konzentriert sich Strunk weniger auf das Innere der Figuren: Die Ursachen Krankheiten der Patienten werden etwa konsequent in der Außenwelt verortet. Wenn man sich von der Vorlage löst, liest man hier über Menschen, die vergeblich dem Abgrund zu entkommen versuchen - und doch liegt auch etwas Tröstliches in Strunks Roman, so der angetane Rezensent.