Mirrianne Mahns Buch "Issa" ist ein ungewöhnlicher Familienroman, findet Rezensentin Elena Witzeck. Mahn erzählt hier so schonungslos wie humorvoll von der Reise einer jungen deutschen Frau ins Heimatland ihrer Mutter, nach Kamerun. Dort soll sie sich anlässlich ihrer Schwangerschaft einigen auf ihre Ahnen zurückgehenden Ritualen unterziehen. Im Laufe des Romans treten die Biografien ihrer weiblichen Vorfahren, die von der weißen Kolonialherrschaft und dem damit einhergehenden Unrecht sowie von patriarchaler Gewalt, aber laut Witzeck auch von Selbstbehauptung und Durchhaltevermögen geprägt sind, in den Vordergrund. Dass Issa gänzlich deutsch geprägt ist, ermöglicht es der Autorin, die Frage zu stellen, was ,Deutschsein' heißt, und zugleich zu thematisieren, dass Schwarzsein nicht zwingend die Zugehörigkeit zu einer afrikanischen Gemeinschaft impliziert, erkennt die Kritikerin. Mit ihrer empathischen, unaufgeregten Erzählweise gelingt es der Autorin diese Ambivalenzen dazustellen, anstatt in Klischees und exotisierenden Kitsch zu verfallen, lobt Witzeck.