Als die Chronik eines Scheiterns beginnt Daniel Kehlmanns neuer Roman, so Rezensent Carsten Otte, den das Ergebnis insgesamt eher nicht überzeugt. Das Buch beschäftigt sich, lernen wir, mit der Lebensgeschichte des Filmregisseurs G.W. Pabst, der in der Stummfilmzeit einige Meisterwerke drehte, aber in Hollywood, wo er Mitte der 1930er Jahre Fuß zu fassen versuchte, kein Glück hatte. Von schwachen Drehbüchern genervt und von Hitlers Helfern gelockt, kehrt Papst, wo der Regisseur einige einigermaßen systemtreue Filme dreht. Auch mit Leni Riefenstahl bekommt er es zu tun, die, das freut Otte, von Kehlmann nicht als Genie, sondern als böser Clown dargestellt wird, wobei auch ihre - sowie Pabsts - Indifferenz gegen NS-Zwangsarbeiter zur Sprache kommt. Auch an Kehlmanns Darstellung einer NS-Kitsch-Lesung findet Otte Gefallen. Ansonsten aber, moniert er, verliert sich das alles oft in einer bloßen Aneinanderreihung von Einzelszenen, die zwar von guter Recherche zeugen, aber das Material nicht hinreichend literarisch durcharbeiten. Dass die Erzählperspektive andauernd wechselt, hilft da auch nicht viel, findet der Rezensent. Zu viel auf einmal will Kehlmann, schließt Otte, aber Fleißarbeit allein macht noch keinen guten Roman.