Einen "großen Schlüsselroman" nennt Rezensent Paul Jandl den neuen Roman des polnischen Autors Szczepan Twardoch, oder auch: "Weltliteratur", die auf der Familienbiografie basiert. Jandl beschreibt nicht nur, was diese Weltliteratur erzählt - von einem ehemaligen Soldaten der kaiserlichen Marine, einem ehemaligen Bolschewiken, einem ehemaligen russischen Gefangenem, der durch Europa und seine Geschichte wandert - sondern er beschreibt auch jene Erfahrungen, die dieser Literatur zugrunde liegen, heißt: er bettet seine Rezension in eine Art Porträt von Twardoch, der seit Beginn des russischen Angriffskrieges nicht mehr nur Beobachter und Erzähler ist, sondern aktiv teilnimmt am Krieg, indem er regelmäßig Drohnen an die Front liefert. Damit lässt Jandl dem Autor nicht nur eine besondere Ehre zuteilwerden, sondern wird auch dessen Doppelrolle gerecht und damit dem Kontext, in dem "Kälte" entstand und erscheint. Twardoch hat bereits mehrere meisterhafte Romane über den Krieg geschrieben, "Kälte" jedoch ist mitten darin entstanden. Trotzdem, in all dem Chaos, verliert dieser Autor niemals den nötigen Überblick, den Sinn für das Gesamtbild, so der beeindruckte Rezensent.