Geduld sollte man mitbringen für dieses Buch, meint Rezensent Hannes Hintermeier, aber wenn man es tut, kann man mit ihm viel Lesefreude haben. Es handelt sich um das vierte Buch Davide Longos um das Ermittlerduo Bramard und Arcadipane, die es diesmal in ein 37-Seelen-Nest im Piemont verschlägt. Der Tote ist der Ehemann einer einst bekannten Schauspielerin, lesen wir, die für ihre mysteriösen Blicke bekannt war und nun ihrerseits verschwunden ist. Um diesen Fall herum konstruiert Longo, berichtet Hintermeier, jede Menge weitere Mysterien, die unter anderem mit heidnischen Fruchtbarkeitsriten und französischen Fortsetzungsromanen zu tun haben, zudem gestaltet sich auch das Privatleben Arcadipanes nicht unkompliziert. Das hier ist keine Spannungsliteratur angelsächsischen Zuschnitts, stellt der Rezensent klar, Cliffhanger etwa finden sich keine im Buch, vielmehr setzt der Autor auf Melancholie und auch auf ein bisschen Pathos, insgesamt gelingen ihm dabei eindrückliche Figurenporträts. Hintermeiers Fazit: nicht quick and dirty, sondern gediegen und komplex, wer auf so etwas steht, wird mit dem Buch glücklich.