Die Bücher von Toni Morrison begreift Rezensent Roman Bucheli auch als Aufforderung an die LeserInnen, bei der Lektüre an ihnen mitzuwirken: Zum einen ist da Morrisons Debütroman, der von dem jungen Mädchen Pecola handelt, die von ihrem Vater geschwängert wird, aber vor allem davon, wie es dazu kommen konnte. Die Autorin verzichtet dabei darauf, eindeutige Kausalitäten anzubieten, es werden den LeserInnen nur Bruchstücke präsentiert, die Biografie des missbrauchenden Vaters wird geschildert, dient aber auch nicht der Erklärung, sondern eher einer Bestandsaufnahme, wie Bucheli festhält. Das alles schildert Morrison mit Witz und Schmerz zugleich, jetzt von Tanja Handels sehr gelungen übersetzt, so der Kritiker. Den Aufruf des Textes, man möge sich selbst eine Meinung über das Geschehen bilden, liest er noch stärker in der Erzählung "Rezitativ", bei der es vordergründig um die Hautfarben zweier Mädchen geht, man weiß nie so recht, wer wer ist, im Eigentlichen aber vor allem darum, mit den eigenen Vorurteilen konfrontiert zu werden - so ist die Nobelpreisträgerin eine Autorin, die einen das eigene Denken zielsicher zu hinterfragen lehrt, hält Bucheli abschließend fest.