Ronya Othmann beschäftigt sich in diesem Buch mit den Jesiden, beziehungsweise in ihrer Selbstbezeichnung: Êzîden, einer Volksgruppe, der sie, als Tochter eines säkularen Jesiden und einer Deutschen, gleichzeitig angehört und nicht angehört, wie Rezensent Moritz Baumstieger darstellt. Und die hierzulande, so der Rezensent, nur 2014 kurz in den Medien Erwähnung fand, als sie vom Syrien heimsuchenden IS in genozidaler Absicht attackiert wurde. Was freilich nur eine von, siehe Titel, 74 historischen Verfolgungen war, der die ethnisch-religiöse Gruppe in ihrer Geschichte ausgesetzt war. Othmann tritt nicht als allwissende Expertin auf, führt Baumstieger aus, sondern als Suchende, die gelegentlich auch von Schuldgefühlen als Überlebende des IS-Massakers heimgesucht wird und die nun versucht, wenigstens einige Spuren der begangenen Verbrechen zu sichern. All dies fügt sich, stellt Baumstieger dar, nicht zu einer geradlinigen Erzählung, vielmehr breitet die Autorin die Ergebnisse einer vielfältigen Recherche aus, die sie unter anderem in Gerichtssäle, zu Checkpoints schiitischer und anderer Milizen, und auch zu ihrer eigenen Verwandtschaft nach Syrien führt. Alles kann und will dieses Buch nicht erklären, meint der insgesamt ziemlich beeindruckte Rezensent am Ende, gleichwohl rückt es wichtige und bislang in Deutschland kaum bekannte Zusammenhänge ins Licht.