Ein hochinteressantes Buch hat Alexander Schimmelbusch laut Rezensent Adam Soboczynski geschrieben, aber leider keinen guten Roman. Zeit der Handlung ist das Jahr 2035, Deutschland ist wider alle Wahrscheinlichkeit zum KI-Giganten aufgestiegen und hat unter anderem die Firma Omen SE hervorgebracht, aus deren Mitarbeiterschaft sich ein Großteil des Romanpersonals rekrutiert. Unter anderem, zählt Soboczynski auf, wäre da eine CEO, die mit Schwulstmetaphern um sich wirft, der Chef der Entwicklungsabteilung, der mit ihr ins Bett geht, zwei Lesben, die selbstoptimierungstauglichen Wein verkaufen und einige mehr. Soboczynski pendelt bei der Lektüre zwischen Depression, Sex und Wellness hin und her, darunter jedoch kommt eine knallharte sozialdarwinistisch-faschistische Sozialstruktur zum Vorschein, notiert er. Denn es geht um Selektion, und selektieren dürfen in dieser Zukunftsvision vor allem die Frauen. All das fügt sich zu einer anregenden Spekulation über die Zukunft deutscher Ideologeme, gesteht Soboczynski Schimmelbusch zu - aber es füge sich eben nicht zu einem guten Roman. Einen Plot im engeren Sinne gibt es kaum, die Figuren entwickeln sich nicht, bleiben Abziehbilder einer entseelten Gesellschaftsordnung, kritisiert Soboczynski, dem auch Schimmelbuschs beim Managersprech abgeschauter Nominalstil auf die Dauer zu viel wird. Kluge, bedenkenswerte Thesen sind in diesem Buch enthalten, so das Resümee, aber die Übersetzung in die Fiktion will nicht recht funktionieren.