Ziemlich kompliziert klingt die Handlung von Sten Nadolnys "Herbstgeschichte", aber Rezensent Andreas Kilb scheint sie trotzdem gerne gelesen zu haben. Es gibt mindestens drei wichtige Figuren: den melancholischen Schriftsteller Waßmus, den Regisseur Bruno Gnadl und die "stockhübsche Marietta", der allerdings im Lauf der Handlung nicht nur ein schlimmes Unglück passiert. Diese Protagonisten treffen sich nun im Laufe des Romans in unterschiedlichen Konstellationen und unterschiedlichen Zeiten wieder, die beiden Männer begegnen sich zunächst als entfremdete Freunde in einem IC im Jahr 1989 - ein wiederkehrendes Thema bei Nadolny, merkt der Rezensent an, das im Laufe der Handlung noch wichtig wird: der "Freundesverrat". Mit vielen Sprüngen und Abschweifungen spinnt Nadolny die Geschichte weiter, so Kilb, zwischendurch unterbricht ein Erzähler die Geschichte, der dann selbst im Roman vorkommt. Ein kunstvolles Netz von "Verschlüsselung und Verspiegelung" hat der Autor hier gesponnen, meint der Kritiker. Vor allem überraschend ist die Figur der Marietta in ihrer Passivität und "Hilfsbedürftigkeit" - schade, dass sie ein wenig untergeht im Roman, findet Kilb. Auch ist dem Kritiker das Ende ein klein wenig zu konventionell und etwas "verkitscht" geraten.