Als Zeryua Shalevs Debütroman vor dreißig Jahren erschien, galt er als Skandal. Und wenn man Adam Soboczynskis Kritik liest, ahnt man, weshalb der Roman am liebsten in den Giftschrank verbannt worden wäre: Wie eine verbotene Substanz erscheint ihm der Roman, der ihn in einen "bewusstseinserweiternden" Rausch versetzt. Dabei geht es vordergründig erstmal nur um eine Frau, die Mann und Kind für einen wenig aufregenden Liebhaber verlassen hat und ihren Entschluss bald bereut. Wie Shalev davon aber erzählt, in surrealen Episoden, ist von geradezu "bizarrer Pracht", versichert der Kritiker, der uns ein paar Einblicke beschert: Der Vater der Erzählerin etwa verwandelt sich in eine Kuckucksuhr, dem verlassenen Ehemann wächst eine Gebärmutter, die Tochter erscheint als "kalte Puppe", während die unter verschiedenen Namen auftretende Erzählerin Teddys pflanzt. Soboczynski bemüht sich eine Weile, all das zu deuten und kommt schließlich auf die Idee, Freuds Traumtheorie anzuwenden, um zumindest einige Bilder zu entschlüsseln. Das mag ein wenig Mühe erfordern und mancher Leserin wird all das zu "überdreht" vorkommen, räumt der Kritiker ein. Für ihn aber ist Shalevs Debüt nicht zuletzt dank Anne Birkenhauers exzellenter Übersetzung eine "flirrende Offenbarung".