Das "Verhängnis des moralischen Maximalismus" lernt Rezensent Jens Jessen mit Philipp Oehmkes Roman einer Familie verstehen, die sich ständig sorgt, moralisch nicht auf der richtigen Seite zu stehen und genau deshalb in allem fehlschlägt. "Deutsches Schuldbewusstsein" und "Exzesse des Selbstverdachts", hier durchexerziert am Beispiel einer Familie, die einen Großvater aufzuweisen hat, der im Zweiten Weltkrieg Offizier war, kann am Ende nur zur Verdrängung führen, weil ein "richtiges" Leben gar nicht mehr möglich ist, erkennt Jessen, sorgt dafür, dass die einzelnen Familienmitglieder angesichts der Unmöglichkeit, sich richtig zu verhalten, einfach aufgeben oder erst recht alles falsch machen (sich Donald Trump anschließen zum Beispiel). Der Spiegel-Reporter erzählt das manchmal etwas zu flapsig-reporterhaft, dennoch ist der Kritiker sich sicher, hier DEN Roman der Gegenwart gefunden zu haben, der zeitgenössische Ideologien rund um das Deutschsein klug und treffend behandelt.