Teils fasziniert, teils auch ein wenig kopfschüttelnd arbeitet sich Rezensentin Judith Raupp durch Gaia Vinces Zukunftsvision. Die Autorin geht in ihrem Szenario davon aus, lernen wird, dass die Erde bis zum Jahr 2100 vier Grad wärmer wird - verglichen mit der Mehrzahl der Prognosen recht pessimistisch - und dass deshalb dreieinhalb Milliarden Menschen aus ihren Heimatländern fliehen werden, die Mehrzahl von Süden nach Norden. Vince untermauert ihre Vorhersage, heißt es weiter, mit bereits einsetzenden Fluchtbewegungen und klimabedingten Problemen unter anderem in Indonesien und Florida. Die Massenmigration soll nach Vinces Meinung früh einsetzen und zentral gesteuert werden, erläutert Raupp. Damit einhergehende Ängste müssten den Menschen von den Regierungen genommen werden. Wie allerdings ein Erstarken demokratiefeindlicher Kräfte im Zuge einer solchen Unternehmung verhindert werden könnte, erfährt Raupp von Vince nicht. Auch die technikutopistische Schlagseite des Buches irritiert Raupp, etwa wenn Atomkraft und Geoengineering als mögliche Problemlösungen präsentiert werden. Dennoch ein interessantes Gedankenspiel, so das Fazit.