Mit eben jener Leidenschaft, mit der der Verlag Feridun Zaimoglus "Geschichte der Frau" anpreist ("ein regelrechtes Wunder!"), verreißt Rezensent Burkhard Müller das Buch, das er mangels einem Zusammenhang der Episoden über zehn Frauen nicht mal als Roman bezeichnen möchte. Schon die Idee, stummen Frauen eine Stimme zu geben, findet der Kritiker nicht sonderlich originell - Ovid und Christine Brückner waren früher da, meint er und sieht Brückners "Wenn du geredet hättest, Desdemonda" hier fast plagiiert. Dass Zaimoglu von "der Frau" dann nur im generischen Singular schreibt, all seinen Heldinnen den annähernd gleichen, absurd altertümlichen Duktus in den Mund legt und seine überwiegend frei erfundenen Frauen nicht besonders viel Inhalt von sich geben lässt, macht es für den Rezensenten nicht besser. Zu viel "Absicht", zu wenig Literatur, meint er. Bei der Gastarbeiterin Leyla, der Zaimoglu bereits 2006 einen Roman widmete und die hier noch mal einen Auftritt hat, sieht Müller den Autor allerdings zu alter Form auflaufen.