Ja, es gibt immer noch Neues zu sagen zu Thomas Mann und sogar ganz neue Perspektiven einzunehmen, wie Rezensent Tilman Krause an Neuerscheinungen von Matthias Lohre, Kerstin Holzer und Tilmann Lahme sehen kann. Allen drei ist gemein, dass sie Thomas Mann aus einem Blickwinkel betrachten, der gut in die heutige Zeit passe, wie Krauss findet: Mit empathischer Sicht auf Thomas Mann als Opfer einer homophoben Gesellschaft. Kerstin Holzers Sachbuch mag zunächst etwas naiv daherkommen, beschreibt aber einen Schlüsselmoment im Leben Thomas Manns, findet Rezensent Tilman Krauss. Im Sommer 1918 hatte er "Betrachtungen eines Unpolitischen" abgeschlossen und war unentschlossen, wie er sich als "erklärter Konservativer" in der neuen Demokratie positionieren sollte. Das gab Anlass dazu, sich vielleicht zum ersten Mal wirklich auf seine Kinder und die Familie einzulassen, was Holzer mit viel Einfühlungsvermögen schildert, wie Krass versichert. Es sind diese Momente "regressiver Selbstvergewisserung", die jeder kennt und die nötig sind, um danach etwas Neues zu schaffen, hält der Kritiker fest, der das Buch gerne gelesen hat.