Manchmal wird einem das Ausmaß einer Lücke erst bewusst, wenn sie sich zu schließen beginnt. So ist es mit der Literatur über die Zeit der Prä-Menopause und die weibliche Midlife-Crisis, stellt Rezensentin Marie-Luise Goldmann fest. Miranda July widmet sich genau dieser Zeit in ihrem fulminanten Roman über eine 45-jährige Künstlerin aus L.A., die sich spontan entscheidet, nicht wie geplant, allein, ohne Ehemann nach New York zu reisen, sondern sich stattdessen in einem Motel unweit ihres Heims einquartiert und mit allem, was ihr zur Verfügung steht, ihrem neuen Ziel entgegen zu arbeiten: "Sex mit Davey". Das Ergebnis nennt die Rezensentin eine "Eat-Pray-Love"-Variante für die postmoderne, sexuell befreite urbane Bohemian-Bourgeoisie; statt "essen, beten, lieben" stehen hier nur eben "masturbieren, masturbieren, masturbieren" auf dem Plan. Witzig zu lesen ist das allemal, findet Goldmann, und auch wenn einigen Charakteren die Tiefe fehlt, der Plot mitunter an Spannung und Plausibilität verliert, die Sprache angenehm unprätentös, aber eben auch einigermaßen uninteressant bleibt, entfaltet dieser Roman eine ungemeine Wucht. Diese gewinnt er vor allem aus den Thesen und Lebensweisheiten, die ihm Struktur geben, Thesen wie der, dass es zwei Arten von Menschen gibt: Die "Einparker", mit dem Motto: "no risk, no fun" ist, und die "Fahrer"… Nach dieser Lektüre erst, weiß die Rezensentin, was ihr vorher fehlte.