Rezensent Adam Soboczynski trifft sich mit Zadie Smith in einem Pub in der Nähe des Londoner Hyde Parks, um zu erfahren, weshalb Smith erstmals einen historischen Roman geschrieben hat. Am Versuch, den Populismus der Gegenwart zu beschreiben, sei sie gescheitert, erklärt sie. Um zu zeigen, wie leicht Menschen zu Mittätern werden können, konzentrierte sie sich daher auf den historischen Fall um den fetten, grobschlächtigen Metzger Arthur Orton, der vorgab, der mehr als ein Jahrzehnt zuvor auf einer Seereise verschwundene Gentleman Tichborne Case zu sein und versuchte, dessen Erbe einzuklagen. Den Kritiker haut das "opulente" Werk einfach um: Wenn ihm Smith erzählt, wie die Massen trotz offenkundiger Gegenbeweise, aber dank intensiver medialer Berichterstattung auf den Betrug hereinfielen, erkennt Soboczynski schnell die Aktualität des Romans. Der besondere Clou ist dabei, dass es gerade die sich klassenkämpferisch und progressiv gebende Bewegung ist, die auf die Geschichte hereinfällt, fährt der Kritiker fort, der ganz nebenbei lernt, dass keine Ideologie gegen Unvernunft gefeit ist. Auch die Parallelhandlung, die sich um Tichbornes ehemaligen Sklaven Andrew Bogle dreht, zieht den Rezensenten in den Bann: Anhand von dessen Schicksal liest er von Plantagenarbeit, brutaler Sklaverei auf Jamaika oder Epidemien. Überhaupt gelingt es Smith, sämtliche Debatten und Konflikte im England des 19. Jahrhunderts zu behandeln und zu analysieren, ohne den Kritiker dabei je aus seinem "Leserausch" zu reißen. Dass Smith in ihrem dezidiert nicht postkolonial verstandenen Roman auch formal überzeugt, etwa in dem sie mit bewussten Störungen des Plots der Zerrissenheit ihrer Figuren entspricht, ist für den Rezensenten ein zusätzliches Plus.