Gleich zwei neue Biografien über Rainer Maria Rilke kann Rezensent Björn Hayer in dessen Jubiläumsjahr entdecken: Manfred Koch legt ein konzises, dichtes Buch mit starken Textexegesen vor, in dem die alles überstrahlende Todesmotivik in Rilkes Werk ihn als "Angst-Dichter" zeigt, der mit seiner Dichtung auch versucht hat, die sich immer rascher verändernde Welt zu bewältigen. Sandra Richter, die Leiterin des Literaturarchivs in Marbach, nimmt eher eine "parzielle Neuinterpretation" des Dichters vor, so Hayer, statt ihn als Eremiten zu sehen, hebt sie eher seine Methode des "restaurativen Modernismus" hervor, die versuchte, mittels der Kunst ein Vorkriegseuropa wiederherzustellen. Beide Biografien machen dem Kritiker zufolge zudem deutlich, wie wichtig Frauen von der Mäzenin Marie von Thurn und Taxis bis zu Lou Andreas-Salomé für Rilke waren, die ihn inspirierten, "über der eignen Zerstörung/ewig hervor" zu gehen, wie er, mit beiden Büchern sehr zufrieden, schließt.