Ziemlich unzufrieden ist Rezensent Norbert F. Pötzl, der in seinem eigenen Buch gerade eine positive Bilanz der Treuhand gezogen hat, mit dieser Arbeit der ostdeutschen Historikerin Katja Hoyer, das eine "neue Geschichte der DDR" ankündigt. Leider, so der Kritiker gibt es hier recht wenig Neues, stattdessen versucht die Autorin schlicht zu zeigen, dass in der DDR "nicht alles schlecht" war. Skeptisch macht den Rezensenten schon die Auswahl der Personen, die Hoyer zu Wort kommen lässt: Den ehemaligen SED-Generalsekretär Egon Krenz und den DDR-Schlagersänger Frank Schöbel hält der nicht für besonders kritische Zeitzeugen. Zwar kommen in den von der Autorin geführten Interviews auch nicht-prominente Personen zu Wort, Stimmen von "Systemkritikern" werden aber gänzlich ausgeklammert, ärgert sich der Rezensent. Bei der Betrachtung des Verhältnisses von Ost und West verfolgt die Autorin konsequent eine "SED-Lesart", so der Kritiker, die den Westen weitgehend verantwortlich macht für das wirtschaftliche und politische Scheitern der DDR. Dabei werden fleißig alte DDR-Mythen gefüttert, meint Pötzl, historische Fakten verdreht und wichtige Quellen unterschlagen. Eine ziemlich "geschichtsvergessene" historische Untersuchung, findet der Kritiker.