Rezensent Christoph Schröder ist beeindruckt von Cordelia Edvardsons erstmals 1986 erschienenem Erinnerungsbuch, das nun in einer neuen Übersetzung vorliegt. Edvardson wuchs als uneheliche Tochter der Schriftstellerin Elisabeth Langgässer auf, ihr Vater war der jüdischen Staatsrechtler Hermann Heller, mit dem Langgässer eine kurze Affäre hatte. Als "Halbjüdin" geriet Edvardson ins Visier der Nazi und wurde schließlich ins Konzentrationslager gebracht, welches sie überlebte. Die Autorin selbst legte Wert darauf, dass es ihr mit dem Buch nicht darum ging, mit der Mutter abzurechnen, erklärt Schröder. Diese ließ es allerdings durchaus zu, dass ihre Tochter ins Lager ging, um sich selbst zu schützen. Besonders beeindruckt ist Schröder von der Beschreibung des chaotischen Lageralltags. Kaum weniger intensiv seien Passagen über die unmittelbare Nachkriegszeit, die die Autorin, psychisch schwer vom Erlebten gezeichnet, in Schweden verbringt. Die Mutter hätte die Lagererfahrungen der Tochter gern literarisch verarbeitet, lernen wir abschließend, aber das hat Edvardson dann doch lieber selbst gemacht.