Wirklich überzeugt ist Rezensentin Greta Zieger nicht von Bernhard Pörksens Ausführungen zum Zuhören. Pörksen beschäftigt sich mit Gegenwartsdebatten, erfahren wir, in denen sich unterschiedliche Lager unversöhnlich gegenüberstehen und er plädiert als Lösung, wieder das Zuhören zu lernen. Zu diesem Zweck unterhält er sich, referiert Zieger, unter anderem mit der Schulleiterin der Odenwaldschule über den dortigen Missbrauchsskandal und mit Klimaaktivisten, die er fragt, warum andere Leute ihre Warnungen ignorieren. Pörksen betont laut Zieger die Macht der Gefühle, die oft wichtiger seien als stringente Argumentationen, in aktuellen Debatten sind also anschauliche, emotionale Botschaften wichtig. Außerdem sollen die Menschen weniger auf ihr eigennütziges Ich-Ohr hören und mehr auf ihr andere Perspektiven mitdenkendes Du-Ohr, so Pörksen laut Zieger. Schön wäre das ja, meint Zieger, die freilich kritisiert, dass Pörksen selbst eh nur denen zuhört, mit deren Position er übereinstimmt. Dass man auf diese Weise in Streitfragen vorankommen kann, scheint die Rezensentin eher nicht zu glauben.