Rezensentin Elke Schlinsog liest mit "Juli, August, September" eine weitere "Unruhegeschichte", wie sie es ausdrückt - eine Geschichte über eine zerrissene Heldin und ihre ebenso zerrissene und verstreute jüdische Familie, die zum Anlass des Geburtstags der Großmutter Maya auf Gran Canaria in einem herunterkommenden Hotel zusammentrifft. Hier versucht die in die Krise geratene Heldin Lou - Kunsthistorikerin, Mutter, Ende 30 - das Puzzle ihrer Herkunft zusammenzusetzen. Dabei treiben sie jene Fragen, die Grjasnova immer wieder literarisch zu beantworten versucht, da die Antworten nie abschließend sein können: die Fragen nach der eigenen Herkunft, nach der eigenen Identität. Grjasnova beschreibt diese Sinn- und Identitätssuche ihrer Heldin mit viel psychologischem Feingefühl, Zärtlichkeit und ihrem ganz eigenen subtilen Humor, lesen wir. Mit der Erzählung der Großmutter Maya über ihre Flucht aus der Sowjetunion hat sie außerdem einen Teil ihrer eigenen Familiengeschichte bearbeitet, weiß die Rezensentin. Dass dieser letzte Teil des Buches ursprünglich ein Essay werden sollte, spürt man - ganz nahtlos fügt er sich nicht ein in den Rest der Erzählung, doch dieser Makel tut der Wirkung dieses "bebenden, drängenden" Romans keinen Abbruch, so die merklich mitbebende Rezensentin.