Nicht allzu angetan arbeitet sich Rezensent Helmut Böttiger durch Botho Strauß' neues Buch. Dessen erster Teil aus Prosaminiaturen besteht, die, erfahren wir, oft szenisch gebaut sind und sich, in die Realität teils überschreitenden Szenen, um Begehrensformen drehen, die psychologisch auseinandergenommen werden. Da geht es zum Beispiel, beschreibt Böttiger, um eine Busfahrt, die ein Mann mit seiner Frau, seiner Geliebten und einer weiteren Frau unternimmt, und die plötzlich eine absurde Wendung hin zum Mythischen nimmt. Schicksalsgöttinnen walten hier, meint der Rezensent, stilistisch geht es altmodisch zu, Strauß schließt offensichtlich an die deutsche Romantik an, zu der er sich nicht nur ästhetisch, sondern auch politisch hingezogen fühlt. Teils darf man Selbstironie vermuten in diesem Buch, findet Böttiger, aber insgesamt scheint Strauß die Sache, allem Theaterhaft-spielerischem zum Trotz, doch etwas zu ernst zu nehmen. Vor allem, wenn er sich im zweiten Teil des Buches politischen und poetologischen Fragen zuwendet, möchte Böttiger ihm nicht mehr folgen. Der deutscheste aller Deutschen will Strauß hier sein, beschreibt der Rezensent, er schimpft auf Gendersprache und - auffällig häufig - über Veganismus. Rudolf Borchardts ultradeutscher Pathos steht hier bisweilen Pate, und insgesamt macht das Buch auf Böttiger einen im schlechten Sinne antiquierten Eindruck.