Der umfangreiche neue Roman des 1953 in Santiago geborenen Chilenen Roberto Bolano aus dem Jahr 2000, jetzt "schön" von Heinrich von Berenberg ins Deutsche übersetzt, veranlasst Andreas Breitenstein zu einer ausführlichen Besprechung, in der er seiner Begeisterung für Bolano Luft macht. Seit 1976 lebt der Autor in der Nähe von Barcelona, für "Die wilden Detektive" hat er bereits den "bedeutendsten lateinamerikanischen Literaturpreis", den "Romulo Gallegos" sowie den "renommierten spanischen "Premio Herralde" erhalten, informiert der Rezensent, der im folgenden eine Art Preisrede auf Autor und Werk hält. Bolano hat seinen Roman in Mexiko-Stadt angesiedelt, wohin er Anfang der siebziger Jahre mit seinen Eltern zog. Dort versucht eine Gruppe von jungen wilden Literaten, die "Realviszeralisten", eine neue Literatur und Lebensphilosophie zu etablieren, berichtet ein ob Plot und Stil paralysierter Breitenstein. In einer "berückenden Verbindung" aus Realem, Parodie, Ironie, Verzweiflung, Komik, Wahn und Trauer präsentiere Bolano ein Kaleidoskop, bestehend aus der Megastadt, einer "verlorenen Generation", einer "road novel", einer Satire auf den Literaturbetrieb und auch noch aus einer Abhandlung über die "utopische Ermattung", schwärmt der Rezensent. Von dieser literarisch brillanten Bestandsaufnahme über das Ende der Utopien und Ideologien, aber nicht über das Ende der Kunst, können europäische Schriftsteller und Leser viel lernen, ist Breitenstein überzeugt.