Potential hat das neue Buch Gianfranco Calligarichs schon, meint Rezensent Paul Jandl, nur genutzt wird es leider nicht. Im Zentrum steht Vittorio Bottego, der im 19. Jahrhundert als Afrikaforscher zwei Reisen in das Gebiet des heutigen Somalia unternahm, und schließlich, referiert Jandl, 1897 in Äthiopien ermordet wurde. Anhand dieser Geschichte möchte Calligarich sich dem Scheitern des italienischen Kolonialismus nähern, berichtet Jandl, Bottego, der vor allem von wissenschaftlichem Interesse getrieben wird, gerät zwischen die Fronten diverser Konflikte, ist sowohl den Befürwortern, als auch den Gegnern des Kolonialismus ein Dorn im Auge. Leider reicht die Einbildungskraft dieses Romans nicht allzu weit, ärgert sich Jandl, der es ziemlich dröge findet, wie Bottegos Abenteuer hier buchhalterisch rekapituliert werden. Erzählerisch und auch politisch bleibt das alles flach und uninteressant, findet der Rezensent, der sich einfach nicht begeistern will für die Figur, die Calliagrich hier entwirft.