Etwas reserviert wirkt Rezensent Michael Braun gegenüber Maggie Nelsons Essayband, der sich mit dem Freiheitsbegriff und seinen Widersprüchlichkeiten auseinandersetzt, und zwar auf viel völlig verschiedenen Gebieten, so Braun: Kunst, Sex, Drogen und Klimawandel. In der Kunst hat sich die Freiheit nicht mehr am schöpferischen Ich, sondern an einem sozialen Wir zu orientieren, beim Sex und Drogenkonsum gehen mit Freiheit auch immer Machtstrukturen einher, und der Klimawandel bietet eigentlich nur noch die "letzte Freiheit", es sich bis zum unaufhaltsamen Ende schön zu machen, so Brauns Abriss der vier Essays. In allen gehe es dabei "fulminant" und "dissidentisch" zu, meint der Kritiker, aber auch "angreifbar" und stellenweise lückenhaft - ganz scheint er sich dem allgemeinen Loblied auf die Essayistin und Queerness-Aktivistin, die schon als Susan Sontag-Nachfolgerin gefeiert werde, nicht anschließen zu können.