Lange hat Rezensent Ulrich Baron kein Buch mehr gelesen, das die "Schönheit der Welt" derart feiert wie Georg Saunders' erster Roman. Und so lässt sich der Kritiker von Saunders auch gern mit ins "Bardo" nehmen, jenen Zwischenzustand, der im "Tibetanischen Totenbuch" das Umherirren zwischen Tod, Wiedergeburt und Nirvana beschreibt, wie Baron informiert. Anhand von Studien, zeitgenössischen Dokumenten, Augenzeugenberichten und mit einer reichen Erfindungsgabe rekonstruiere der Autor die Umstände um den frühen Tod von Abraham Lincolns Sohn Willie, fährt der Rezensent fort, der bewegt beobachtet, wie Lincoln das tote, im Bardo verharrende Kind in den Armen hält. Allein wie geschickt Saunders Szenen aus dem Totenreich und solche aus dem Bürgerkrieg "mosaikartig" zusammensetzt, hat den Kritiker beeindruckt. Vor allem aber bewundert er das Vermögen des Autors, sich in verschiedene sprachlichen Sphären einzufühlen.