Ursula März ist von diesem literarischen Debüt der Journalistin Eva Menasse regelrecht hingerissen und preist ihn als "rasanten Seiteneinflug" zur "Landebahn des literarischen Erfolgs". Sehr beeindruckend findet die Rezensent die Leichtigkeit, mit der sich die österreichische Autorin, Schwester des bekannten Schriftstellers Robert Menasse, eines Themas annimmt, das zwar nicht neu, dafür aber "nach wie vor schwierig" ist. Menasse erzählt von einer Wiener Familie, die, Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, zur Hälfte jüdische und zur Hälfte nichtjüdische Wurzeln hat ist und die auffällige "Ähnlichkeit" mit den Menasses hat, erklärt die Rezensentin. Das Problem jüdischer Identität wird in einer "Tragikomödie" entfaltet, wobei die Autorin das Thema nicht "ideologisiert", sondern vielmehr "charmant" und "erzählerisch" entfalte, so März angetan. Der Roman besteht "aus nichts als Anekdoten", die diese Familie in ihrem ureigenen "rhetorischen Code" verbinden und steckt voller Wiener "Schmäh und Pointen", "Jargons und Redensarten", bemerkt die Rezensentin amüsiert. Das Tragische der Geschichte, in deren Mittelpunkt der Vater der Erzählerin steht, der sich über seine Identität nicht klar werden kann und sich an der Frage abarbeitet, wer in seiner Familie eigentlich Jude, wer Nazi war, wird nur "in einem einzigen Satz" artikuliert und entfaltet gerade durch seinen reduzierten Ausdruck Wirkung, lobt März. Die Autorin treffe geradezu mühelos den erforderlichen "lakonischen Ton" und verbinde mit Selbstverständlichkeit "das Epische, das Politische, das Humoristische und das Essayistische", preist die begeisterte Rezensentin. Am Ende aber begreift sie die "Stärke" dieses Romans, die eben in der Leichtigkeit und in dem "mimetischen Sichtreibenlassen der Erzählerin" liegt, gleichzeitig als "Schwäche", weil hinter dem "Zauber" der Erzählung die "Technik" sichtbar wird, die jedem Satz noch "Pointen abverlangt". Diese Kritik findet März aber dann selbst etwas "ungerecht", hat sie sich doch selbst gerade "vergnügt" einem "bedeutsamen, aus der aktuellen Literatur herausragenden" Roman hingegeben.