Fast zwanzig Jahre lang galt Chris Kraus' feministischer Roman "I love Dick" als Geheimtipp und feiert erst jetzt größte Erfolge, informiert Rezensentin Jana Hensel. Zu Recht, meint die Kritikerin, denn der Roman ist einfach genial. Wie Kraus in ihrer seltsamen, sich zunächst in Briefen entwickelnden Menage-a-trois zwischen ihr, ihrem Mann, dem französischen Literaturwissenschaftler Sylvere Lothringer und dem gemeinsamen Bekannten Dick die verschiedenen Wahrnehmungen von Mann und Frau erprobt, findet Hensel brillant. Großartig auch, wie erbarmungslos Kraus weibliches Begehren und Verlangen "seziert", lobt die Rezensentin, die hier auch lernt, wie Scheitern zu etwas "Schillerndem" werden kann.